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Kaufen & Mieten · September 2026 · 6 Min. Lesezeit

Richtig heizen und lüften: So beugen Sie Schimmel vor

Arndt Gerhardts · Immobilienmakler, Geschäftsführer, geprüfter Wertermittler (EIA)

Wärmebild der Fassade von Gerhardts Immobilien in Brüggen: An Fenstern und Türen entweicht mehr Wärme als über die Wandfläche

Sobald im Herbst die Heizung wieder läuft, zeigen sich in vielen Wohnungen die ersten dunklen Punkte: in der Zimmerecke, an der Fensterlaibung oder hinter dem Kleiderschrank. Das betrifft Mieter wie Eigentümer, Altbau wie Neubau. Meist lässt sich Schimmel mit ein paar Gewohnheiten beim Heizen und Lüften vermeiden. Wenn das nicht reicht, steckt häufig ein Problem im Bauteil dahinter. Auch das lässt sich erkennen.

Wie Schimmel entsteht: Feuchte Luft trifft auf kalte Flächen

Luft nimmt Wasserdampf auf, warme Luft deutlich mehr als kalte. Kochen, Duschen, Wäsche, Pflanzen und unser Atem bringen jeden Tag mehrere Liter Wasser in die Raumluft. Kühlt diese Luft an einer kalten Oberfläche ab, steigt dort die relative Luftfeuchte. Ist die Oberfläche kälter als der sogenannte Taupunkt, schlägt sich Wasser nieder. Fachleute sprechen dann von Tauwasser.

Schimmelpilze brauchen dafür nicht einmal sichtbare Nässe. Ist die Luft direkt an der Wand über längere Zeit sehr feucht, können Sporen bereits auskeimen. Die Bauphysik setzt diese Grenze bei etwa 80 Prozent Luftfeuchte an der Oberfläche an. Deshalb wächst Schimmel fast immer an den kältesten Stellen einer Wohnung: in Außenwandecken, an Fensterstürzen und -laibungen, hinter Möbeln an Außenwänden und in Räumen, die kaum geheizt werden. Solche Stellen nennt man Wärmebrücken. Typisch sind ein Betonsturz über dem Fenster, ein Deckenrand in der Fassade oder ein schlecht gedämmter Rollladenkasten. Das Wärmebild oben zeigt unser Büro in Brüggen von außen. An Fenstern, Türen und Anschlüssen geht mehr Wärme verloren als über die Wand – innen sind das die kühlsten Stellen.

Richtig lüften: Stoßlüften statt Kippfenster

Feuchte Luft muss regelmäßig nach draußen. Am besten geht das mit Stoßlüften: Fenster ganz öffnen, idealerweise auf gegenüberliegenden Seiten der Wohnung (Querlüften). So wird die Luft in wenigen Minuten ausgetauscht, Wände und Möbel bleiben warm. Das Umweltbundesamt empfiehlt für die kalte Jahreszeit, zwei- bis dreimal am Tag etwa fünf Minuten je Raum zu lüften. In der Übergangszeit und im Sommer darf es länger sein. Dazu kommen feste Anlässe:

  • morgens nach dem Aufstehen, vor allem im Schlafzimmer,
  • direkt nach dem Duschen oder Baden, bei geschlossener Badtür,
  • während und nach dem Kochen,
  • abends vor dem Schlafengehen.

Ein dauerhaft gekipptes Fenster ist im Winter die schlechteste Lösung. Es tauscht kaum Luft aus, kühlt aber Sturz und Laibung aus – dort entsteht dann Schimmel, und Heizenergie geht verloren.

Am Niederrhein hören wir oft die Frage, ob Lüften bei Nebel oder Dauerregen überhaupt sinnvoll ist. Die Antwort lautet ja. Kalte Außenluft enthält nur wenig Wasser, selbst wenn sie gesättigt ist. Erwärmt sie sich im Raum, sinkt ihre relative Feuchte stark. Nebelige Luft um den Gefrierpunkt hat bei Zimmertemperatur weniger als 30 Prozent relative Feuchte. Gerade in den feuchten Herbst- und Wintermonaten trocknet Lüften die Wohnung also. Nur Keller lüftet man im Sommer besser früh morgens oder nachts, weil warme Luft an den kühlen Wänden kondensiert.

Richtig heizen und Möbel richtig stellen

Kalte Wände ziehen Feuchtigkeit an. Darum sollten alle Räume in der Heizperiode gleichmäßig temperiert sein. Zur Orientierung: Wohnräume um 20 °C, Schlafzimmer etwas kühler bei 16 bis 18 °C. Kein Raum sollte über längere Zeit unter 16 °C auskühlen. Diese Werte sind Richtgrößen. Was wirklich zählt, ist das Zusammenspiel aus Oberflächentemperatur und Luftfeuchte.

  • Nachts die Temperatur um einige Grad absenken, die Heizung aber nicht ganz abschalten.
  • Türen zu kühleren Räumen geschlossen halten. Kühle Zimmer nicht mit warmer Luft aus dem Wohnzimmer „mitheizen“, denn die Feuchtigkeit schlägt sich dann dort nieder.
  • Heizkörper nicht mit Sofas, Vorhängen oder Verkleidungen zustellen.
  • Große Schränke und Betten möglichst an Innenwände stellen. An Außenwänden 5 bis 10 cm Abstand lassen, damit warme Luft die Wand erreicht.

Wäsche, Bad und Küche: die großen Feuchtequellen

Nasse Wäsche gibt viel Wasser an die Raumluft ab. Am besten trocknet sie im Freien, im Trockenraum oder im Wäschetrockner. Wenn Wäsche doch in der Wohnung trocknen muss, dann in einem beheizten Raum bei geschlossener Tür und mit häufigem Stoßlüften. Im Bad hilft es, nach dem Duschen die Fliesen kurz abzuziehen und den Lüfter nachlaufen zu lassen. In der Küche helfen Topfdeckel und Dunstabzug.

Hygrometer: Luftfeuchte messen statt raten

Ein digitales Thermo-Hygrometer kostet wenig und zeigt Temperatur und relative Luftfeuchte an. Als gesund gelten etwa 40 bis 60 Prozent. Liegt der Wert in der Heizperiode dauerhaft darüber, sollten Sie häufiger lüften. Stellen Sie das Gerät nicht direkt ans Fenster oder auf die Heizung, sondern mitten in den Raum, der Ihnen am kritischsten erscheint. Oft ist das das Schlafzimmer. Notierte Messwerte helfen später auch bei der Frage, woher ein Schaden kommt.

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Schimmel entdeckt: Was ist jetzt zu tun?

Nach dem Umweltbundesamt gilt: Kleine Flächen bis etwa 0,5 Quadratmeter, die nur an der Oberfläche befallen sind, können Sie selbst entfernen. Das gilt nur, wenn niemand im Haushalt allergisch auf Schimmel reagiert, an einer chronischen Atemwegserkrankung leidet oder ein geschwächtes Immunsystem hat.

  • Schützen Sie sich mit Handschuhen, einer FFP2-Maske und einer Schutzbrille.
  • Bürsten Sie den Schimmel nicht trocken ab, denn dabei verteilen sich Sporen im Raum.
  • Behandeln Sie die Stelle mit 70- bis 80-prozentigem Alkohol und lüften Sie dabei gut. In der Nähe darf kein offenes Feuer sein, und es darf nicht geraucht werden.

Größere Flächen, Befall, der immer wiederkommt, und Schimmel in Putz, Dämmung oder Mauerwerk gehören in die Hände eines Fachbetriebs. Wer nur abwischt, hat nichts saniert: Wenn die Ursache bleibt, kommt der Schimmel zurück. Ausführliche Hinweise gibt der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts.

Mieter und Vermieter: melden, dokumentieren, Ursache klären

Mieter müssen Mängel wie Schimmel dem Vermieter unverzüglich anzeigen. Das regelt § 536c BGB. Am besten melden Sie ihn schriftlich, mit Fotos, Datum und Ihren gemessenen Werten für Raumtemperatur und Luftfeuchte. Wer schweigt, kann für Folgeschäden mithaften. Vermieter sollten die Stelle zügig ansehen oder prüfen lassen.

Dann geht es fast immer um eine Frage: Woher kommt die Feuchtigkeit? Sie kann aus dem Gebäude stammen, etwa durch ein undichtes Dach, eine defekte Leitung, aufsteigende Feuchte oder eine Wärmebrücke. Sie kann auch mit der Nutzung zusammenhängen, also mit zu wenig Lüften oder Heizen, zugestellten Außenwänden oder viel Wäsche in der Wohnung. Oft kommt beides zusammen. Wer die Kosten trägt und ob eine Mietminderung in Betracht kommt, hängt vom Einzelfall ab. Bei Streit helfen ein Bausachverständiger, der Mieterverein, Haus & Grund oder die Verbraucherzentrale weiter.

Aus Sicht des Maurermeisters: Wann das Bauteil die Ursache ist

Arndt Gerhardts ist nicht nur Immobilienmakler und geprüfter Wertermittler, sondern auch Maurer- und Betonbauermeister. Diese Anzeichen sprechen eher für ein bauliches Problem als für falsches Lüften:

Feucht trotz guter WerteDas Hygrometer zeigt dauerhaft 40 bis 60 Prozent, und trotzdem bilden sich Flecken.
Immer dieselbe StelleDeckenrand, Fenstersturz, Rollladenkasten oder der Anschluss einer Balkonplatte: typische Wärmebrücken.
Feuchte von untenFeuchteränder, Salzausblühungen oder abplatzender Putz im Sockelbereich deuten auf aufsteigende Feuchte hin, oft bei älteren Häusern ohne intakte Sperrschicht.
Nach Regen schlimmerFlecken an der Wetterseite können auf Risse in Putz oder Fugen, Schlagregen oder eine defekte Regenrinne hinweisen.
Unabhängig von der JahreszeitEine feuchte Stelle, die auch im Sommer wächst, spricht eher für einen Leitungs- oder Abdichtungsschaden.
Erst nach dem FenstertauschNeue Fenster sind dicht, die alte Außenwand ist dann die kälteste Fläche. Hier muss häufiger gelüftet werden. Die DIN 1946-6 sieht dafür ein Lüftungskonzept vor.

Dann hilft mehr Lüften allein nicht. Das Bauteil sollte fachkundig untersucht werden, etwa mit Feuchtemessung oder Wärmebild.

Vor dem Verkauf: Feuchteschäden offen klären

Wer ein Haus oder eine Wohnung verkaufen möchte, sollte Feuchte und Schimmel vorher klären lassen. Ein ungeklärter Schaden verunsichert meist mehr als ein bekannter Mangel, dessen Ursache feststeht und der behoben wurde. Bekannte Mängel sollten Sie Käufern offen nennen. Wie sich ein Befund auf den Wert Ihrer Immobilie auswirkt, lässt sich mit einer kostenlosen Immobilienbewertung einordnen.

Feuchte Wände oder Schimmel im Haus? Sprechen Sie uns gern persönlich an – telefonisch unter 02157 9474 oder per E-Mail an info@im-g.de.

Stand: September 2026. Dieser Beitrag gibt eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

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