Verkauf & Steuern · Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit
Wind- oder Solarpark in der Nähe: Verliert mein Haus wirklich an Wert?
Arndt Gerhardts · Immobilienmakler, Geschäftsführer, geprüfter Wertermittler (EIA)

Ein Windrad am Horizont, ein Solarpark hinter dem Garten – und schon ist das Haus zehn oder zwanzig Prozent weniger wert? Solche Zahlen werden schnell genannt. Pauschal belegen lassen sie sich nicht. Ebenso falsch wäre allerdings die Behauptung, Wind- und Solarparks hätten überhaupt keinen Einfluss auf Immobilienpreise. Studien zeigen, dass es im direkten Umfeld zu Abschlägen kommen kann. Ihre Höhe hängt jedoch vom konkreten Haus, der Anlage und dem örtlichen Immobilienmarkt ab.
Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung für Deutschland wertete Immobilienanzeigen der größten deutschen Onlineplattform aus den Jahren 2009 bis 2021 aus. Danach lagen die Angebotspreise von Immobilien in einem Abstand von ein bis zwei Kilometern zu Windkraftanlagen durchschnittlich rund zwei Prozent niedriger. Bei Freiflächen-Photovoltaik waren es etwa 1,5 Prozent. Eine weitere deutsche Studie, die tatsächliche Hauskaufpreise auf Gemeindeebene untersuchte, kam bei neuen Windkraftanlagen auf einen durchschnittlichen Rückgang von 1,9 Prozent.
Windpark in der Nähe: Der Abstand allein entscheidet nicht
Was heißt das für ein konkretes Haus? Bei einem Wert von 500.000 Euro sind zwei Prozent immerhin 10.000 Euro. Trotzdem ist das kein automatischer Abschlag für jedes Haus in Anlagennähe. Die erste Untersuchung betrachtet Angebotspreise, nicht die später beurkundeten Kaufpreise. Die zweite arbeitet auf Gemeindeebene und bildet den Einzelfall nur begrenzt ab.
Zwei Häuser können jeweils 1.500 Meter vom selben Windpark entfernt stehen – und trotzdem ganz unterschiedlich betroffen sein. Von der Terrasse des einen sind mehrere Rotoren vollständig zu sehen. Beim anderen verdecken ein Geländerücken und Bäume die Anlagen. Das eine liegt in einer ruhigen Landschaft, in der die Aussicht einen großen Teil des Wohnwerts ausmacht. Das andere befindet sich ohnehin neben einer Bundesstraße oder einem Gewerbegebiet. Auf der Karte ist der Abstand gleich. Für Kaufinteressenten ist die Lage eine andere.
Auf diese Faktoren kommt es beim Immobilienwert an
Entscheidend sind deshalb Zahl und Höhe der Anlagen, Sichtbeziehung, Betriebsgeräusche und tatsächlicher Schlagschatten. Bei Solarparks kommen Größe, Ausrichtung, Blendung und Eingrünung hinzu. Auch der örtliche Markt zählt. Wo Wohnraum knapp ist und die Nachfrage hoch, fällt ein solcher Nachteil oft weniger ins Gewicht. Warum sich Preise derzeit je nach Lage und Zustand so unterschiedlich entwickeln, lesen Sie in Warum manche Immobilienpreise steigen – und andere nicht.
Die bislang umfassendste Metaanalyse zur Windenergie bündelt 720 Schätzungen aus 25 Studien. Nach der methodischen Bereinigung bleibt im Durchschnitt ein Abschlag von 0,68 Prozent. Untersucht wurden Immobilien in einer mittleren Entfernung von rund drei Kilometern. Ab etwa 4,5 Kilometern nähert sich der modellierte Durchschnittseffekt null.
Ein Durchschnittswert bewertet jedoch keine Terrasse, keinen Garten und keinen Blick aus dem Wohnzimmer. Genau deshalb stößt hier auch jeder Online-Rechner an seine Grenzen – mehr dazu im Ratgeber Onlinebewertung oder persönliche Wertermittlung?
Eine dänische Untersuchung fand bei besonders großen Windrädern Abschläge von bis zu zwölf Prozent. Schlagschatten führte zu einem zusätzlichen deutlichen Effekt. In den Niederlanden waren Windräder über 150 Meter innerhalb von zwei Kilometern mit einem Abschlag von 5,4 Prozent verbunden. Solche Werte beschreiben besondere Belastungssituationen, keine allgemeine Rechenregel.
Bei Solarparks sieht es ähnlich aus. Eine Untersuchung für England und Wales ermittelte einen Abschlag von 5,4 Prozent – allerdings nur bei Häusern, die höchstens 750 Meter südlich eines Solarparks mit mehr als fünf Megawatt Leistung lagen. Bei kleineren Anlagen oder größeren Entfernungen war kein belastbarer Effekt festzustellen.
Auch Unsicherheit über geplante Windparks hat einen Preis
Immobilienpreise können bereits reagieren, wenn ein Projekt angekündigt wird. Eine große US-Untersuchung zu Windparks stellte im engen Umfeld nach Bekanntwerden eines Vorhabens zunächst einen deutlichen Rückgang fest. Nach der Inbetriebnahme erholten sich die Werte schrittweise. Nach neun oder mehr Jahren war der verbliebene Unterschied statistisch nicht mehr eindeutig.
Das zeigt: Nicht nur Lärm, Schatten oder Aussicht beeinflussen den Preis. Auch Unsicherheit spielt eine Rolle. Solange unklar ist, wie hoch die Anlagen werden, wie viele gebaut werden und welche Belastungen entstehen, kalkulieren Kaufinteressenten ein Risiko ein. Genau hier reicht der Blick auf Durchschnittswerte nicht mehr.
Darauf sollten Käufer und Eigentümer achten
Käufer sollten vor dem Immobilienkauf prüfen:
- Wie weit ist die Anlage entfernt?
- Wie viele Anlagen sind geplant?
- Wie hoch werden sie?
- Was sagen Schall-, Schatten- oder Blendgutachten?
Auch mögliche Erweiterungen und der Blick aus Wohnzimmer, Garten oder Terrasse zählen.
Eigentümer sollten umgekehrt keinen pauschalen Abschlag akzeptieren, nur weil ein Interessent mit einer Studie argumentiert. Für das einzelne Haus sind lokale Vergleichsverkäufe und die konkrete Lage aussagekräftiger als ein allgemeiner Mittelwert. Wie wir den Wert einer Immobilie aus Vergleichsverkäufen und Lage ermitteln und mit welcher Verkaufsstrategie wir in Preisgespräche gehen, beschreiben wir ausführlich.
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Fazit: Wind- und Solarparks senken den Immobilienwert nicht automatisch
Wind- und Solarparks können Immobilienpreise beeinflussen. Sie entwerten aber nicht automatisch jedes Haus in ihrer Umgebung. Die jüngsten deutschen Untersuchungen deuten im direkten Umfeld im Durchschnitt eher auf niedrige einstellige Prozentwerte hin. Größere Verluste sind möglich, wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammenkommen.
Nicht allein der Kreis auf der Karte entscheidet über den Wert. Entscheidend ist, was Käufer vom Grundstück aus sehen, hören oder spüren – und wie sie das bewerten.
Zuerst veröffentlicht auf chip.de: https://www.chip.de/news/geld-finanzen-recht/wind-oder-solarpark-in-der-umgebung-verliert-mein-haus-dadurch-wirklich-an-wert_8f300188-5c79-4462-97e5-ff56674b2fac.html
Immobilienmakler • Buchautor • Redner
Über Arndt Gerhardts

Arndt Gerhardts ist ein erfahrener Immobilien-Experte mit über 25 Jahren Branchenerfahrung. Als Geschäftsführer der Gerhardts Immobilien GmbH engagiert er sich für die Weiterentwicklung der Immobilienbranche. Neben seiner Tätigkeit als Makler ist er als Buchautor, Vortragsredner und Branchenexperte aktiv. Seine Expertise wird regelmäßig in Medienformaten aufgegriffen, und er gibt praxisnahe Einblicke in Themen rund um Immobilienverkauf, Marktanalysen und energetische Sanierung.
Mit seinem neuesten Buchbeitrag möchte er Privatverkäufer dazu befähigen, selbstbewusst und gut vorbereitet ihre Immobilie zu verkaufen – mit Wissen, das sonst nur Maklern vorbehalten ist.
Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag gibt eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
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